Unternehmer im Unternehmen

Wünschen wir uns nicht alle Kollegen und Mitarbeiter, die engagiert und mit vollem Elan die gemeinsamen Ziele unterstützen? Und wie verhält es sich in der wirtschaftlichen Realität? Ist es nicht vielmehr so, dass die unterschiedlichen Parteien im Arbeitsleben viel zu unterschiedliche Interessen verfolgen und damit erhebliche Zielkonflikte entstehen?

Seit einigen Jahren schon geistert deswegen schon die allgemeine Lösungsformel für dieses Problem durch die Chefetagen: „Wir machen unsere Mitarbeiter zu Unternehmern im Unternehmen“. Die Lösung scheint im ersten Moment auch sehr löblich, da ein Unternehmer zu sein, mit vielen positiven, aber einigen negativen Faktoren einhergeht:

  • Freiraum in der Entscheidung
  • Partizipation am wirtschaftlichen Erfolg & Misserfolg in unbegrenzter Höhe, sprich Mittragen des unternehmerischen Risikos
  • Verantwortung für Kollegen und Gesellschaft

Wieso der Ansatz „Unternehmer im Unternehmen“ häufig scheitert

Aber wie sieht es in der Praxis aus? Vielfach scheitern die Projekte „Unternehmer im Unternehmen“. Die Folgen sind mangelnde Motivation, geringeres Verantwortungsbewusstsein und keine Bereitschaft, die wirklich guten Ideen und Lösungen für das Unternehmen bereitzustellen. Aber wieso eigentlich? War die Kommunikation der Vision nicht klar und deutlich? Haben wir nicht alle Mitarbeiter korrekt in die Erstellung der Vision mit eingebunden? Die Antwort auf diese Fragen ist kurz und einfach. Unternehmen versuchen zwar häufig das Mindset der Mitarbeiter zu ändern, passen jedoch nicht die Anreize entsprechend des Zielbildes an. Somit bleibt der Konflikt zwischen Unternehmenskultur und Handeln weiter bestehen.

Das Zielbild eines Unternehmers im Unternehmen kann durch die Principal-Agent-Problematik nicht gelöst werden.

Das Zielbild eines Unternehmers im Unternehmen kann auf Grund inkongruenter Ziele nicht gelöst sofort werden. Bei diesem Problem handelt es sich um ein klassisches Principal-Agent-Problem, da sowohl Mitarbeiter als auch Management versuchen, ihren eigenen Nutzen zu maximieren. Erst, wenn dieser Zielkonflikt beseitigt ist, kann auch ein innerbetriebliches Entrepreneurship eingeführt werden.

Wie Sie Ihre Mitarbeiter zu richtigen „Unternehmer im Unternehmen“ machen

Für die Beseitigung der Hindernisse eigenen sich mehrere Anreizsysteme und Umstrukturierungen. Diese können teilweise einen erheblichen Einfluss auf die Arbeit, die Beschäftigungsverhältnisse und Leistung der betroffenen Parteien haben. Daher ist bei der Gestaltung besonderer Wert auf die einzelnen Stakeholder-Interessen (Management, Gesellschafter, Mitarbeiter, Betriebsrat, Kunden etc.) zu legen. Diese müssen detailliert analysiert und vereinheitlicht werden. Nicht jedes System ist für jedes Unternehmen geeignet. Im Einzelfall muss daher individuell entschieden werden.

Das Principal-Agent-Problem kann durch die Gleichrichtung der Ziele gelöst werden. Hierfür muss ein gemeinsamer Nutzen definiert und später auch geteilt werden.

  1. Grundsätzlich kann man sich als ersten Schritt an einer gemeinsamen Definition des Nutzens orientieren. Der gemeinsame Nutzen besteht in den meisten Fällen aus einer sicheren und nachhaltigen Partizipation am Gewinn des Unternehmens und gleichzeitig an der Teilung der Reputation.
  2. In der nächsten Phase einer Implementierung sollte überlegt werden, welche Teile des gemeinsamen Nutzes geteilt werden können. Diese Frage ist essentiell, da die Beantwortung signifikanten Einfluss auf den späteren Erfolg des Projektes „Unternehmer im Unternehmen“ hat. Sicherlich ist es für die Management und Gesellschafter nicht immer leicht, Erfolge uneingeschränkt und in voller Höhe mit den Mitarbeitern zu teilen, dennoch überwiegen die Vorteile, was erfolgreiche Unternehmen wie bspw. der Spiegel-Verlag (Betreibergesellschaft besteht aus Mitarbeitern), Google (ungedeckelte Boni) und viele andere zeigen.
  3. Konkrete Handlungsanweisungen für die Praxis
    • Teilen Sie Ihren vorher definierten Nutzen. Führen Sie unternehmensweit ungedeckelte Boni ein, sofern dies möglich ist und der Kultur in Ihrem Unternehmen entspricht.
    • Richten Sie P/Ls für interne Abteilungen ein. Auch diese Abteilungen sind Dienstleister – nur im eigenen Unternehmen.
    • Stellen Sie Ihre Mitarbeiter in den Vordergrund und teilen Sie somit die Reputationsgewinne. In Zeiten, wo Dienstleistungen und Infrastruktur immer austauschbarer werden, sind Menschen das größte Kapital, welches Unternehmen besitzen.
    • Führen Sie ein Innovationsmanagement ein, welches es Mitarbeitern ermöglicht, unbegrenzt an Ideen und neuen Produkten zu partizipieren. Stellen Sie sich hierbei immer die Frage: Haben Mitarbeiter den ausreichenden Anreiz die besten Ideen dem Unternehmen bereitzustellen? Die Aussicht auf eine Beförderung oder einen Bonus von 1.000 EUR ist hier definitiv nicht ausreichend.
    • Ermöglichen Sie Handlungsfreiräume, wo Mitarbeiter dies fordern. Richten Sie beispielsweise eine dedizierte Arbeitszeit ein, in der sich Beschäftigte mit eigenen Projekt beschäftigen können. Stimmt die Leistung in diesen Laissez-faire-Bereichen nicht bzw. wird die Zeit missbraucht, so müssen die handelnden Personen selbstverständlich auch am Nichterfolg beteiligt werden.

Bildquellenangabe: Dr. Klaus-Uwe Gerhardt / pixelio.de

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Ein Kommentar auf “Unternehmer im Unternehmen
  1. Hallo Herr Linnebank,

    danke für den guten Artikel. „Ungedeckelte Boni“? Das wäre ja mal ein extravaganter Schritt. Viele Unternehmen werden das wohl nicht umsetzen, auch, wenn es wahrscheinlich sinnvoll ist. Vielfach ist einfach das unternehmerische Denken nicht anerzogen worden… Diese klassische „ich bin nicht verantwortlich-Mentalität“. Ich kann Ihnen daher nur beipflichten, wenn Sie als Fürsprecher für mehr Demokratisierung der Unternehmungen plädieren und Mitarbeiter zu Unternehmen machen möchten. Der richtige Anreiz ist der korrekte Hebel. Da haben dann auch Gesellschafter etwas von…

1 Pings/Trackbacks für "Unternehmer im Unternehmen"
  1. […] festsetzen oder geleistete Arbeit mit einem fixierten Bonus vergüten. Dies führt zum klassischen Principal-Agent-Problem. User haben daher kein Interesse daran, ihre besten Ideen zu kommunizieren, da der Nutzen (ob […]

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