Crowdfunding… Crowd-Everything – Die Lösung aller Probleme?

Crowdsourcing, Crowdfunding, Crowd-Coding, Crowd-Everything… Die zahlreichen unterschiedlichen Crowd-Geschäftsmodelle schießen aktuell wie Pilze aus dem Boden. Aber löst die Crowd wirklich alle Probleme und ist das Geschäftsmodell nachhaltig?

Um es kurz vorab zu beantworten: Wir sehen in der Crowd eine gute Möglichkeit drei unterschiedliche essentielle Probleme zu lösen. Dessen ungeachtet gibt es noch eine Reihe von Problemen, die bisherige Plattformen noch nicht adressieren.

Wisdom of the Crowd

Vielfach besteht das Problem, dass Sachverhalte nicht richtig eingeschätzt werden können. Hierbei kann es sich beispielsweise um die Vorhersage von Wirtschaftsindikatoren, Aktienkursen oder auch die Einschätzung von Geschäftsmodellen handeln. Die „Weisheit der Vielen“ wurde ursprünglich auf einer Viehausstellung entdeckt. Hier musste das erfahrene Publikum das Gewicht einer Kuh schätzen. Im Durchschnitt lagen alle Zuschauer daneben, der Mittelwert aller Schätzungen jedoch traf das Gewicht der Kuh sehr exakt. Auch bei der Vorhersage von Wirtschaftsindikatoren lässt sich das Phänomen beobachten. Schätzen viele Analysten die Geschäftsentwicklung im Euro-Raum, so ist der Median in aller Regel die beste Prognose.

Die Weisheit der vielen kann jedoch nicht nur in diesen Feldern angewandt werden, sondern auch Startups können von der Systematik profitieren. Durch die Bindung der Crowd können Produkte  und Konzepte bereits vor dem Verkaufsstart optimiert und der zukünftige wirtschaftliche Erfolg besser prognostiziert werden. Startups haben so die Möglichkeit schneller zu iterieren (ihre Produkte anzupassen) und unnötige Kosten bereits in der Konzeptionsphase zu verhindert.

Nutzung fachlicher Ressourcen / New Work

Unsere Gesellschaft wandelt sich zu einer immer stärker arbeitsteiligen Gesellschaft. Know-How und Dienstleistungen werden individuell und zeitlich befristet für bestimmte Projekt eingekauft. Ist das Projekt zu Ende, so werden die Ressourcen wieder abgestoßen. Dieser Trend zeigt sich insbesondere in dem verstärktem Einsatz von „Body-Leasing“ (Einkauf von Unternehmensberatern als hochqualifizierte Arbeitskräfte) und dem geänderten Verständnis von Arbeit generell. Das New Work Konzept von Frithjof Bergmann greift die geänderten Ansprüche auf und formuliert die Arbeitsteilung nun auch als Teil der Selbstverwirklichung. So teilt sich das Arbeitsleben jeweils zu einem Drittel in klassische Erwerbsarbeit, High-Tech-Self-Providing und „smart consumption“ sowie „Arbeit, die man wirklich will“.

Für ein erfolgreiches Startup müssen die drei wichtigen C’s vorhanden sein: Concept, Capital, Competence.  Sowohl das Konzept als auch die Kompetenz sind stark mit Know-How-Transfer verbunden. Crowdsourcing-Plattformen schaffen durch die Zusammenführung Angebot und Nachfrage eine Hebung der Wissensressourcen und führen dazu, dass auch Startups weniger Overhead-Kosten haben und Spezialistenwissen individuell einbinden können. Mitarbeiter und Investoren haben ebenso die Möglichkeit ihre Vorstellung von Zusammenarbeit (New Work) zu realisieren.

Verbesserung der Finanzierungsbedingungen für junge Unternehmen

Crowdfunding-Plattformen spezialisieren sich auf die Einbindung vieler kleiner Investoren in den Investmentprozess. Dies ist sehr hilfreich, da gerade in den frühen Phasen von Unternehmen die Kapitalbeschaffung einer der schwierigsten Punkte darstellt. Der Markt der Business Angels und Early-Stage-Investoren ist nicht effizient. Unterschiedlichste Bewertungsmodelle und Anforderungen machen es Startups nicht gerade leicht, sich zu finanzieren. Hier finden Crowdfunding-Plattformen eine gute Nische, in der sie ihre Angebot zielführend und mit volkswirtschaftlichem Nutzen anbieten können.

Der Crowdfunding Markt

Der Crowdfunding Markt umfasst vornehmlich die frühen Phasen der Unternehmensfinanzierung.

Risiken von Crowd-Plattformen

Ist die Crowd daher die Lösung für alle unseren heutigen Probleme im Startup-Prozess? Wohl nicht, da mit der Crowd auch eine Reihe von Probleme auftreten:

  • Crowd Qualität
    Viele Crowd-Plattformen haben noch keine ausreichenden Qualitätsstandards und Methoden der Qualitätssicherung eingeführt. Insbesondere die Vergütungssysteme sorgen für Probleme, da Mitarbeiter, Investoren oder andere Crowdworker keine geeigneten Incentivierungsmechanismen vorfinden. Schaut man bei bekannten Plattformen, so fällt auf, dass diese entweder die Bewertung von Unternehmen selber festsetzen oder geleistete Arbeit mit einem fixierten Bonus vergüten. Dies führt zum klassischen Principal-Agent-Problem. User haben daher kein Interesse daran, ihre besten Ideen zu kommunizieren, da der Nutzen (ob Anteile oder Bonus), den sie dafür erhalten können, gedeckelt ist.
  • Crowd Quantität
    Ein Großteil der Plattformen hat aktuell noch keine kritische Nutzermasse erreicht. Vielfach können somit zwar kleine Projekt finanziert, bearbeitet oder verbessert werden, große Sprünge kann man jedoch noch nicht erwarten. Hier bleibt abzuwarten, wie sich die unterschiedlichen Anbieter entwickeln.
  • Crowd Vertraulichkeit
    Je mehr Personen an Prozessen beteiligt sind, desto schwieriger wird es, die Vertraulichkeit sicherzustellen. Vertraulichkeitsvereinbarungen führen nur selten zum Erfolg, da diese selten vor Gerichten Bestand haben. Insofern muss bei Crowd-Projekten immer sehr genau darauf geachtet werden, welche Informationen wann wie preisgegeben werden.
Veröffentlicht unter Allgemein

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